1988 - 2008: 20 Jahre Arbeitskreis Wohnungsnot // Ein Streifzug durch die Geschichte

1988 - 2008: 20 Jahre Arbeitskreis Wohnungsnot // Ein Streifzug durch die Geschichte

1988: Offiziell gibt es in Berlin 5.577 wohnungslose Menschen. Um auf die zunehmende
Wohnungsnot aufmerksam zu machen und für die Belange wohnungsloser Menschen einzutreten, gründet ein Dutzend in der Berliner Wohnungslosenhilfe engagierter Sozialarbeiter/innen den Arbeitskreis Wohnungsnot.

1989: Fachleute schätzen die Zahl der Wohnungslosen inzwischen auf ca. 12.000 bis 15.000, da die wenigsten behördliche Hilfe in Anspruch nehmen. Im AK Wohnungsnot arbeiten mittlerweile ca. 60 Institutionen und Einrichtungen der Berliner Wohnungslosenhilfe zusammen.

1990: In Berlin gibt es nach Schätzungen inzwischen rund 40.000 wohnungslose sowie in dubiosen Untermietverhältnissen lebende Menschen. Dies ist für den AK Wohnungsnot Anlass, mit einer Aktionswoche auf den enormen Wohnungsnotstand hinzuweisen. Auf dem Breitscheidplatz finden Kundgebungen statt, an Infoständen können sich Interessierte über Gründe und Folgen der Wohnungsnot informieren. In der „Alten Pumpe“ diskutieren zum Thema „Wohnungsnot – Was tun?“ unter anderem die Sozialsenatorin Ingrid Stahmer sowie der Bausenator Wolfgang Nagel.

1991: Der AK Wohnungsnot veranstaltet eine Fachtagung unter dem Motto „Wohnungssicherung und Wohnungsversorgung in Wohnungsnotfällen“, da die Wohnungslosenzahlen weiter zunehmen.

1992: Der AK Wohnungsnot initiiert ein Streitgespräch mit den Senatsverwaltungen für Soziales sowie Bau- und Wohnungswesen zur Belegungspolitik im Sozialen Wohnungsbau. Die Berliner Verwaltung muss endlich handeln, um der Wohnungsnot Einhalt zu gebieten.

1993: Der AK Wohnungsnot beteiligt sich an der bundesweiten „Nacht der Wohnungslosen“. Auf dem Breitscheidplatz werden zahlreiche Feldbetten aufgebaut, um die Bevölkerung auf die Situation wohnungsloser Menschen in Berlin aufmerksam zu machen.

1994: Bei der Fachtagung des AK Wohnungsnot zur Berliner Verwaltungsreform präsentiert u. a. Michael Schleicher, Abteilungsleiter im Amt für Wohnungswesen der Stadt Köln, seine erfolgreiche „Erfindung“: Eine Fachstelle zur Wohnungssicherung und Wohnungsversorgung.

1995: Um die Wohnraumversorgung für wohnungslose Menschen zu verbessern, legt der AK Wohnungsnot der Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen differenzierte Vorschläge zur Veränderung der Richtlinien für den Wohnberechtigungsschein vor.

1996: Der AK Wohnungsnot veranstaltet eine Aktionswoche zum Sozialabbau unter dem Motto „…denn sie wissen, was sie tun…“. Die Auswirkungen der Sparpolitik des Berliner Senats werden vom AK in verschiedenen Öffentlichkeitsaktionen kritisiert: Plakate, Beschwerdetelefon und mobile Beschwerdebüros, Einkaufsaktion mit prominenten Politiker/innen (Klaus Böger, Petra Pau, Franziska Eichstädt-Bohlig, Wolfgang Wieland) sowie als Abschluss eine Podiumsdiskussion.

1997: Tagesspiegel vom 20.09.1997: „…erklärte der sozialpolitische Sprecher der Fraktion, Michael Haberkorn, am Freitag. Nach seinen Angaben liegt die Zahl der registrierten Obdachlosen in Berlin seit 1994 konstant bei mehr als 10.000 Menschen. Hinzu kämen bis zu 4.000 Menschen, die ohne Kenntnis der Behörden auf der Straße leben.“

1998: Der AK Wohnungsnot beteiligt sich an der ganztägigen Aktion gegen die Vertreibung wohnungsloser Menschen aus den Innenstädten. Unter dem Motto „Die Stadt gehört allen!“ demonstrieren Wohlfahrtsverbände, Wohnungsloseninitiativen und Politiker/innen vor der Gedächtniskirche. Interessierte können sich an Ständen informieren und mit Betroffenen sprechen.

1999: Die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales erstellt unter Beteiligung u. a. des AK Wohnungsnot aufgrund des Beschlusses des Abgeordnetenhauses „Leitlinien und Maßnahmen- bzw. Handlungsplan der Wohnungslosenhilfe und –politik in Berlin“. Darin werden konkrete Ziele und Maßnahmen für eine verbesserte Wohnungslosenhilfe in Berlin sowohl auf bezirklicher als auch auf Senatsebene beschrieben.

2000: Mietermagazin im März: „Experten warnen: Die neue Wohnungsnot ist vorprogrammiert.“ Aufgrund auslaufender Mietbindungen im Sozialen Wohnungsbau, des Verkaufs städtischer Wohnungsbaugesellschaften, der zunehmenden Verkleinerung von Privathaushalten in Singlehaushalte und gleichzeitigem Bedürfnis nach mehr Wohnfläche ist in Berlin nach Aussage von Senator Strieder „der Bau von bis zu 150.000 zusätzlichen Wohnungen erforderlich“.

2001: Die Koalitionsverhandlungen zwischen PDS und SPD zur Regierungsbildung laufen auf Hochtouren. Der AK Wohnungsnot bringt über die sozialpolitische Sprecherin der PDS, Frau Dr. Schulze, seine Forderungen für die Berliner Wohnungslosenhilfe ein. Dies sind unter anderem eine gesamtstädtische Planung der Wohnungslosenhilfe und die Differenzierung des Hilfeangebotes für wohnungslose Menschen.

2002: Mit dem Thema „Wird sich die Hilfe für wohnungslose Menschen verbessern?“ veranstaltet der AK Wohnungsnot in Kooperation mit der Alice-Salomon-Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik eine Fachtagung zur neuen Verordnung zur Durchführung des § 72 BSHG. Bei der Podiumsdiskussion diskutieren Vertreter/innen von Senatsverwaltung, Wohlfahrtsverbänden, Bezirksamt und AK Wohnungsnot, wie die sozialpädagogische Hilfe zur Überwindung von Schwierigkeiten wohnungsloser Menschen in Berlin verbessert werden kann.

2003: Dringende Themen der Wohnungslosenhilfe bringt der AK Wohnungsnot in einem Gespräch mit der Senatorin für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz, Frau Dr. Knake-Werner, ein. Unter anderem geht es um eine bessere Versorgung junger wohnungsloser Menschen sowie wohnungsloser Menschen mit psychischen Schwierigkeiten, um die Klärung der finanziellen Situation auf der Straße lebender Menschen sowie um die zunehmenden Schließungen von Wohnungslosentagesstätten.

2004: Noch immer gehen Fachleute (einschließlich der Dunkelziffer) von ca. 10.000 wohnungslosen Menschen in Berlin aus. Die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe hat besondere Auswirkungen für die Beratung und Betreuung wohnungsloser Menschen sowie für die Betroffenen selbst. Der AK Wohnungsnot veranstaltet deshalb in Kooperation mit der Alice-Salomon-Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik eine Fachtagung „Hartz IV – Chance oder Stolperstein für wohnungslose Menschen?“.

2005: In einem offenen Brief an das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit fordert der AK Wohnungsnot die ersatzlose Streichung des § 22 Abs. 5 SGB II, um die Übernahme von Mietschulden zu vereinfachen und einen Anstieg von Wohnungsverlusten zu verhindern.

2006: Der AK Wohnungsnot unterbreitet in einem Brief an alle Berliner JobCenter konkrete Vorschläge für die Zusammenarbeit mit den JobCentern, um die Situation wohnungsloser und von Wohnungsnot bedrohter Klienten/innen zu verbessern.

2007: Der AK Wohnungsnot veranstaltet die erste Berliner „Nacht der Wohnungslosenhilfe“: Die breite Bevölkerung hat von 16.00 – 22.00 Uhr Gelegenheit, das differenzierte Berliner Hilfesystem für wohnungslose Menschen kennenzulernen und sich über die Problematik zu informieren. Zahlreiche Shuttlebusse fahren ambulante und stationäre Einrichtungen in ganz Berlin an. In Presse, Radio und Fernsehen wird über die Aktion bundesweit berichtet.

2008: Der AK Wohnungsnot ist 20 Jahre alt: Nicht nur Grund zur Freude, denn das eigentliche Ziel, „sich überflüssig zu machen“, hat er nicht erreicht: Seit der Einführung von Hartz IV gibt es keine Erfassung der Berliner Wohnungslosenzahlen mehr. Fachleute schätzen die Zahl (einschließlich Dunkelziffer) weiterhin auf 10.000 wohnungslose Menschen, Tendenz steigend, da sich das Segment von preisgünstigen Ein-Zimmer-Wohnungen verknappt. Mühsam erkämpfte Einrichtungen, wie die Krankenstation für Wohnungslose, sind geschlossen. Mit einer Benefizveranstaltung in der Kulturbrauerei macht der AK Wohnungsnot auf die weiterhin aktuelle Brisanz des Themas aufmerksam: Auf dem Podium diskutieren damalige und heutige Aktive über Entwicklung, Probleme und Perspektiven der Berliner Wohnungslosenhilfe (u.a. Frau Prof. Ingrid Stahmer, Frau Dr. Petra Leuschner). Das Improvisationstheater „Die Gorillas“, die Band „Groovy Cellar“ und DJ Hauke Schlichting, alle aus Berlin, sowie die bundesweit bekannte Band „Die Fehlfarben“ unterstützen die Belange des AK Wohnungsnot und der von Wohnungsnot bedrohten und betroffenen Menschen.

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