Exkursion nach Krakau - Wohnungslosenhilfe auf Polnisch, Oktober 2016

Exkursion nach Krakau – Wohnungslosenhilfe auf Polnisch

Die Arbeitsgemeinschaft der Berliner Wohnungslosentagesstätten organisierte vom 12.-15.10.2016 einen Fachaustausch mit unseren Kolleg*innen im polnischen Krakau (Krakow).

Der Mittwoch und der Samstag dienten dabei nur der An- und Abreise, einige Kolleg*innen nutzten allerdings die Möglichkeit die Reise nach hinten oder vorne zu verlängern, um sich auch den schönen Seiten Krakaus zu widmen. Donnerstag und Freitag standen dann voll im Zeichen des Austausches. Gleich zu Beginn lernten wir die Kollegen der sozialen Wohnhilfe Krakaus kennen. In ihrem unscheinbaren Gebäude organisieren sie alle städtischen Einrichtungen und koordinieren auch die freien Träger. Trotz zahlreicher Gemeinsamkeiten im Aufbau der caritativen Grundversorgung, gab es vor allem in der Grundversorgung der Betroffenen große Unterschiede. Eine monatliche Grundsicherung ähnlich dem ALG II gibt es nicht. Es gibt zwar eine Arbeitslosenversicherung, diese ist aber zeitlich befristet. Die mögliche monetäre Sozialhilfe ist eher als Taschengeld zu verstehen. Die Versorgung erfolgt zumeist über Kleiderkammern und Lebensmittelgutscheine. Betroffene erhalten Gutscheine für warme Mahlzeiten für die sogenannten Milchbars. Dabei handelt es sich um Überbleibsel aus der kommunistischen Zeit, staatlich subventionierte Restaurants. Die Kosten der Unterbringung übernimmt dabei die Stadt Krakau. Die Unterbringung erfolgt in städtischen Heimen, getrennt in Männer und Frauenheime (in denen auch die Kinder mit untergebracht werden können). Eine gemeinsame Unterbringung ist nicht vorgesehen. Unsere Frage nach alleinerziehenden Männern wurde beschämt und schmunzelnd verneint. Am Donnerstag hatten wir auch die Gelegenheit das Heim für Männer und ein Heim für Frauen zu besuchen. Die Heime wurden vor kurzem saniert (teilweise erlebten wir noch die letzten Baumaßnahmen) und machten einen sehr ordentlichen und sauberen Eindruck. Insbesondere das Wohnheim für Frauen wurde vor kurzem durch IKEA Krakau komplett eingerichtet und machte dadurch einen sehr frischen Eindruck. Beide Heime waren allerdings eher an der Peripherie der Stadt angesiedelt. Das Wohnheim für Männer gar in einem klassischen Industriegebiet. Wir hatten auch hier jeweils die Möglichkeit mit den Kollegen in einen Austausch zu treten.

Arbeit, Arbeit, Arbeit. In Anbetracht der geringen finanziellen Unterstützung der Betroffenen führt der einzige Weg in die eigene Wohnung über einen Arbeitsvertrag. Aufgrund des auch in Krakau angespannten Wohnungsmarktes liegen die Vermittlungsquoten in Wohnraum bei cirka 10%. Auch die Vermittlung in den Arbeitsmarkt ist häufig sehr schwer. Krakau ist als Touristenstadt sehr beliebt bei vielen Obdachlosen. Auf der Straße wird sehr viel gespendet. Die Stadt versucht das Betteln über Kampagnen einzudämmen.

Den Zweiten Tag erlebten wir dann Einrichtungen in freier Trägerschaft. Dies bedeutet in Polen vordergründig die Katholische Kirche. Die Beratungsstelle der Pius Brüderschaft befandet sich sehr idyllisch im Zentrum gelegen. Der wunderschöne barrierefreie Neubau hat bei uns einigen Eindruck hinterlassen. Auch das Gespräch mit den Mitarbeitern war sehr ehrlich und aufschlussreich. Noch beeindruckender war dann das Zentrum für Wohnungslose. Auch hier handelte es sich um einen Neubau getragen von der Kirche. Dort befanden sich eine öffentliche Essensausgabe, eine hochmoderne Waschstraße mit Trocknern, ein Duschkabinensystem und eine moderne und sehr gut sortierte Kleiderkammer. Im Zentrum war auch die medizinische Ambulanz untergebracht. Auch hier war alles auf dem neuesten Stand. Die Ärztinnen arbeiten ehrenamtlich und müssen gucken wie sie an die Medikamente kommen. Die Kollegin berichtete auch davon, dass aufgrund der schönen Räumlichkeiten nun Spenden schwerer zu organisieren sind. Viele Spender denken, dass ja genügend Geld vorhanden sein müsste. Erschreckend für uns war auch der Umgang mit Geschlechtskrankheiten. Aufgrund der Trägerschaft der katholischen Kirche können die Ärzte keine Kondome ausgeben.

Für den Abend luden wir dann alle polnischen Kollegen zu Kaffee und Kuchen ins sehr schöne Sezony Cafe. In etwas gemütlichere Runde konnten wir unseren Austausch hier zu einem schönen Abschied bringen. Wir bedanken uns bei allen Beteiligten und Organisatoren für die sehr gelungene Fahrt!

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