Nacht der Wohnungslosenhilfe // 08. Februar 2007

Angebote für wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen in Berlin

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Daten, Zahlen, Fakten

Menschen werden aus unterschiedlichen Gründen wohnungslos. Sie verlieren ihre Wohnung wegen Mietschulden, sie fliegen zu Hause raus, werden aus Krankenhäusern oder Haftanstalten wohnungslos entlassen oder landen nach dem Verlust ihres Arbeitsplatzes, durch eine Trennung oder Scheidung, vielleicht auch in Verbindung mit Alkohol- und Drogenmissbrauch oder infolge einer psychischen Erkrankung auf der Straße.

In Berlin gab es Ende 2004 offiziell knapp 7.000 registrierte Wohnungslose, hinzu kommt eine nicht bekannte Zahl von Menschen auf der Straße, die sich nicht bei den Behörden wohnungslos melden. Seit Einführung von Hartz IV sind keine aktuellen Zahlen mehr verfügbar.

Berlin verfügt – noch! – über ein abgestuftes Hilfesystem, das von niedrigschwelligen Hilfen der Grundversorgung bis hin zu intensiv betreuten Wohnformen reicht.

Angebote für Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten

Das Sozialgesetzbuch bietet mit den §§ 67 ff. SGB XII eine Möglichkeit, Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten materiell, vor allem aber persönlich zu unterstützen. Die Hilfe wird durch professionelle Fachkräfte der Sozialarbeit geleistet und ihre fachliche Qualität regelmäßig geprüft. Die Hilfen müssen individuell beim zuständigen Sozialamt beantragt werden.

Betreutes Einzelwohnen / Wohnungserhalt und –erlangung

Im betreuten Einzelwohnen werden Menschen beraten und angeleitet, die in einer Wohnung leben, aber noch Hilfe beim eigenständigen Wohnen benötigen. Menschen, die von Wohnungslosigkeit bedroht und allein nicht in der Lage sind, Wohnraum zu erhalten oder zu erlangen, werden von SozialarbeiterInnen dabei unterstützt.

Betreutes Gruppenwohnen

Im Betreuten Gruppenwohnen leben wohnungslose Menschen, die sich mit anderen Hilfesuchenden eine große Wohnung teilen und eine sozialarbeiterische Unterstützung für ein eigenständiges Wohnen bekommen möchten. Es gibt auch spezielle Angebote für ehemals drogenabhängige Menschen.

Übergangshäuser

Hier leben wohnungslose Menschen, die Anleitung und Unterstützung durch SozialarbeiterInnen in wesentlichen Lebensbereichen benötigen. Die SozialarbeiterInnen sind mindestens werktäglich in den Einrichtungen und machen auch tagesstrukturierende Angebote. Es gibt Übergangshäuser speziell für Frauen.

Kriseneinrichtungen

Wohnungslose Menschen, die sich in einer akuten Krise befinden, werden hier sofort und unbürokratisch vorübergehend aufgenommen. Qualifizierte MitarbeiterInnen stehen rund um die Uhr zur Verfügung, unterstützen die psychische Stabilisierung und vermitteln weitergehende Hilfen.

Krankenstation

In der Krankenstation leben wohnungslose, akut erkrankte Menschen. Sie werden kurzfristig pflegerisch und hauswirtschaftlich versorgt sowie von SozialarbeiterInnen beraten und in Anschlusshilfen vermittelt.

Niedrigschwellige Angebote für Wohnungslose

Niedrigschwellige Hilfen für wohnungslose Menschen werden in Berlin angeboten, um ein Überleben auf der Straße zu ermöglichen und die Betroffenen in intensiver betreute Anschlusshilfen vermitteln zu können. Die Angebote werden durch die Senatsverwaltung und teilweise die Bezirksämter in Berlin durch Zuwendungen an die Einrichtungen finanziert.

Straßensozialarbeit

Bei diesem Angebot suchen SozialarbeiterInnen auf der Straße lebende Menschen an ihren Aufenthaltsorten (vor allem soziale Brennpunkte wie Bahnhöfe) auf, informieren und beraten zu Hilfemöglichkeiten und vermitteln in Wohnformen.

Notübernachtungen

Hier finden wohnungslose Menschen, die sofort und unbürokratisch einen Schlafplatz benötigen, vorübergehend Aufnahme. Außerdem wird Verpflegung, eine Waschmöglichkeit u. Ä. sowie Beratung durch SozialarbeiterInnen angeboten. Es gibt in Berlin auch eine Notübernachtung, die nur Frauen aufnimmt.

Bahnhofsdienste

Die Bahnhofsdienste kümmern sich neben Reisenden auch um wohnungslose Menschen, die dort ehrenamtlich beraten werden und Kaffe oder eine warme Mahlzeit erhalten können.

Medizinische Versorgung

In Berlin gibt es mehrere Angebote der medizinischen Grundversorgung für wohnungslose Menschen, z. B. mehrere Obdachlosenambulanzen sowie ein Arztmobil, das mit medizinischem Personal und SozialarbeiterInnen die Orte aufsucht, an denen wohnungslose Menschen auf der Straße leben.

Beratungsstellen für Wohnungslose

Wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen erhalten in den Beratungsstellen Unterstützung durch SozialarbeiterInnen, die über Angebote und Hilfen informieren sowie beim Umgang mit Behörden helfen.

Wohnungslosentagesstätten

Neben der Möglichkeit des Essens, der Körper- und der Wäschepflege werden hier sozialarbeiterische Beratung und Unterstützung sowie Freizeitaktivitäten angeboten. Es gibt auch Angebote speziell für Frauen.

Behördliches Angebot

Fachstellen für Wohnungslose / Soziale Wohnhilfen

Jeder Berliner Bezirk hat eine Fachstelle / Soziale Wohnhilfe, in der SozialarbeiterInnen wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen beraten, ihnen Sozialhilfeleistungen vermitteln und sie in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe unterbringen, wenn dies erforderlich ist.

Sonstige Unterkünfte von freien Trägern

Einige freie Träger bieten Wohnheimplätze ohne oder mit weniger intensiver sozialarbeiterischer Unterstützung an. Im Gegensatz zu den gewerblichen Anbietern steht hier jedoch nicht der Profit im Vordergrund.

Gewerbliche Pensionen/Hotels

Viele Wohnungslose leben in gewerblichen Unterkünften, die einen sehr unterschiedlichen Standard aufweisen. In Pensionen/Hotels leben Wohnungslose in der Regel in Mehrbettzimmern und ohne sozialarbeiterische Unterstützung.

Kältehilfe

In den Wintermonaten gibt es in Berlin das Kältehilfe-Angebot. Notübernachtungen, Nachtcafés und Wärmestuben öffnen in dieser Zeit an einem oder mehreren Tagen in der Woche ihre Einrichtung für wohnungslose Menschen, die dort unter meist sehr einfachen Bedingungen übernachten können.

Selbsthilfe

In Berlin gibt es einige Selbsthilfeprojekte, die bekanntesten sind die Straßenzeitungen, verknüpft mit Beratungs- und Unterstützungsleistungen für Wohnungslose, in Eigenregie finanzierten Notunterkünften etc.

Und sonst?

Viele Wohnungslose machen Platte, sie schlafen im Freien, in Bauwagen, machen die „Rutsche“ in S-Bahnwagen oder nächtigen bei wechselnden Bekannten.

© Arbeitskreis Wohnungsnot | www.ak-wohnungsnot.de | Stand 2007

 

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