1988 - 2008: 20 Jahre Arbeitskreis Wohnungsnot // 5 Fragen - 5 Antworten: Robert Veltmann

Robert Veltmann

Geschäftsführer der GeBeWo gGmbH, ehemals Aktiver im AKWO

Wann und wodurch sind Sie das erste Mal auf den Arbeitskreis Wohnungsnot aufmerksam ­geworden?

Als Praktikant der „Beratungsstelle für Wohnungslose“ in der Levetzowstraße wurde mir 1992 der regelmäßige Besuch des AKWO von meiner Anleiterin Dorle Simon-Zeiske empfohlen.

Haben Sie schon einmal an Öffentlichkeitsaktionen oder Fachveranstaltungen des Arbeitskreises Wohnungsnot teilgenommen? Wenn ja, an welchen?

Ja, ich war am 29. Januar 1993, glaube ich, der einzige männliche Hausbesetzer im Buchfinkenweg in Zehlendorf. Damals wurden von verschiedenen „Aktivistinnen“ des AKWO und von wohnungslosen Frauen diverse ehemalige Alliiertenwohnungen besetzt. Ziel war die Vermietung dieser damals unbewohnten Wohnungen an wohnungslose Personen. Die Aktion endete schnell mit der Räumung der Wohnungen sowie mit einer Anzeige gegen alle Teilnehmer/-innen. (…) Aber auch mir blieben die schwedischen Gardinen letztlich erspart!

Wann und warum haben Sie sich über den Arbeitskreis Wohnungsnot mal so richtig geärgert?

In einer Diskussion eines der monatlichen Treffen 1994 oder 1995 wurde von einer kleinen Minderheit der anwesenden Sozialarbeiter/-innen darauf hingewiesen, dass es hilfreich sein könne, wenn man bei Auszug eines Bewohners aus einem Übergangshaus (…) in eine Wohnung bei gleichzeitigem Wechsel in einen anderen Bezirk das Kriterium „Betreuungsbedarf gemäß § 72“ in der Akte für den neuen Bezirk vermerken würde. Ohje! Da fühlten sich wohl einige der anderen, politisch bewegten Kollegen/-innen ordentlich auf den Schlips getreten. (…) Eine Welle der Empörung und Missbilligung erbebte den Raum. Ich war zunächst entsetzt, empfand den Vorschlag damals leider nicht nur als gut und hilfreich (und finde das heute noch), sondern ich fand die Intensität der kollektiven Empörung, die verbal ausgeteilten Prügel damals höchst unangenehm, unprofessionell, peinlich.

Welches Lob wollten Sie dem Arbeitskreis Wohnungsnot schon immer mal aussprechen?

Ich finde es höchst löblich, dass sich hier seit so vielen Jahren so viele unterschiedliche Persönlichkeiten unterschiedlicher Träger und Verbände zusammensetzen, sich (meist) konstruktiv und professionell austauschen. (...) Viele der unzähligen erfolgreich verlaufenen Hilfemaßnahmen hätten ohne das lange Wirken des AKWO wohl gar nicht statt gefunden. Bravo!

Was wünschen Sie dem Arbeitskreis Wohnungsnot für die nächsten 20 Jahre?

Ich wünsche dem AKWO, dass er auch künftig nicht nur eine kritisch-nörgelnde, sondern vermehrt wieder eine hoffnungsvolle, phantasievoll-kreative Rolle einnimmt, originelle öffentlichkeitsträchtige Aktionen organisiert, der „Szene“/Hilfelandschaft wirksame Impulse und geeignete Argumente liefert, und ein kollegiales, gut funktionierendes, vernetztes Hilfesystem fördert.

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