24.08.2019

Offener Brief zum Abschlussbericht der BA´s zu den Fachstellen

AN:
Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales Elke Breitenbach
Amtsleitungsrunde Soziales
Arbeitsgruppe zur Erarbeitung eines Fachstellenkonzeptes Soziale Wohnhilfen

Sehr geehrte Frau Breitenbach,
sehr geehrte Mitarbeitende der AG zur Erarbeitung eines Fachstellenkonzepts und der Amtsleitungsrunde Soziales,

der Arbeitskreis Wohnungsnot hat sich sehr darüber gefreut, dass Vertreter_Innen der Berliner Verwaltung, unter Beteiligung der Mehrheit der Berliner Bezirksämter, zur Einführung und Umsetzung von bezirklichen Fachstellen zusammengearbeitet haben. Das Ergebnis wurde bereits in der Arbeitsgruppe 7/Fachstellenkonzept der Strategiekonferenz in Form eines Abschlussberichts vorgestellt. Wir denken, dass in dem Entwurf der Bezirksämter viele gute und neue Ansätze einer einheitlich organisierten Fachstelle dargestellt werden.

Insbesondere die Weiterentwicklungsvorgaben zur Prävention stellen einen Fortschritt zum jetzigen Vorgehen der Sozialen Wohnhilfen dar, wie z.B. die „regelmäßige Beratung und Überprüfung“ von weitergehenden Hilfen für Menschen, die in ASOG-Einrichtungen untergebracht sind. Auch über die Akquise von Wohnraum wird das erste Mal außerhalb des Geschützten Marktsegments nachgedacht. Allerdings stehen lediglich die Bereiche im Fokus des Papiers, die jetzt schon Aufgabe der Sozialen Wohnhilfen sind. Die Wohnraumakquise als neue Herausforderung, aufsuchende Hilfen bei drohenden Wohnungsverlust als Regelaufgabe etc. werden dagegen nur am Rande behandelt.

Der Abschlussbericht sieht eine „Gesamtverantwortlichkeit für die Fallkoordinierung durch die Fachstelle“ vor. Ob hiermit die vollständige Bündelung der zur Bearbeitung einer Wohnungsnotfallproblematik erforderlichen Leistungskompetenzen und Ressourcen, wie es das Fachstellenmodell vorsieht, erfüllt wird, bleibt für uns offen. Dies gilt auch für die Kooperation und Vernetzung der Fachstellen. Hier wird lediglich auf zu entwickelnde Musterkooperationsvereinbarungen bspw. mit den Jugendämtern verwiesen. Schon jetzt gibt es Kooperationsvereinbarungen zwischen einzelnen Abteilungen der Bezirksämter, die in der Praxis jedoch nicht funktionieren. Die Bündelung und Vernetzung ist zentraler Punkt des Konzeptes Fachstelle. Idealerweise sieht das Konzept Vertretungen aller wichtigen Schnittstellen wie Eingliederungshilfe oder Jugendamt direkt in der Fachstelle vor.

Auf die Vernetzung und Kooperation mit Freien Trägern wird nicht näher eingegangen. Nur die „fachliche – organisatorische Begleitung“ von niedrigschwelligen Angeboten wird explizit erwähnt. Hier stellt sich uns die Frage, warum selbstständig arbeitende Projekte fachliche Unterstützung durch die Fachstelle benötigen. Ist dies die Vorstellung einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Kommune und Freien Trägern? Über die Delegation von Aufgaben der Fachstellen an Freie Träger dagegen wird nicht nachgedacht. Hier steht der AKWO für einen intensiven Austausch gern bereit, auch die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege kann hierzu bestimmt interessante Ideen einbringen.

Ein Fortschritt ist der u.E. der geplante „einfache und überall gleich gestaltete Zugang Dritter“, also die gute Erreichbarkeit der Fachstelle für Klient_Innen und Freie Träger. Die Ablehnung identischer Strukturen der Fachstellen in allen Bezirksämtern würde dagegen dazu führen, dass es lediglich dem Namen der Fachstelle gäbe, die mit dem ursprünglichen Konzept jedoch nicht zu tun hätten.

Der Vorschlag der Bezirksämter ist ein erster großer Schritt hin zu richtigen Fachstellen, es bedarf aber weitergehender Konkretisierungen und Weiterentwicklungen des vorgelegten Konzeptes. Nach der zweiten Strategiekonferenz war es Konsens, die Fachstellendiskussion in der AG 7 fortzuführen. Der jetzt vorliegende „Abschlussbericht zur Erarbeitung eines Fachstellenkonzeptes“ der Arbeitsgruppe der Bezirksämter ist eine sehr gute Grundlage für die weitere Diskussion mit den anderen Mitgliedern der AG 7, die an der Erstellung des Konzepts nicht beteiligt wurden. Die Vorlage der Bezirksämter kann und darf u.E. jedoch nicht das Endergebnis der Fachstellendiskussion sein.

Diskussions- und Konkretisierungsbedarf sehen wir u.a. zu folgenden Punkten:

• Identische Strukturen der Fachstellen in allen Bezirksämtern
• Spätsprechstunden für Werktätige
• Bündelung der Leistungskompetenz in der Fachstelle bei Wohnungsnotfällen
• Budget für Wohnraumakquise
• Clearingstelle (gerade in der Wohnungsnotfallhilfe eine sozialarbeiterische Aufgabe)
• Kooperation und Vernetzung der Fachstelle
• Rolle der Freien Träger im Fachstellenkonzept

Die Fachstelle ist eine elementare Grundlage für eine erfolgreiche Wohnungsnotfallhilfe. Wir bitten daher die Senatsverwaltung für Soziales darum, möglichst bald einen neuen Termin für die AG 7 der Strategiekonferenz einzuberufen, um die Weiterentwicklung eines fortschrittlichen und einheitlichen Fachstellenkonzeptes in Berlin voranzubringen.

Mit freundlichen Grüßen
i.A. Karsten Krull